Verein der Freunde der Österreichischen Chemieolympiade

Besuch der Syngas-Anlage der BEST

Es ist Freitag, der 12.5., und es treffen sich in einem entlegenen Viertel des Simmeringer Industriegebiets einige ChemikerInnen. Der Grund ist eine Führung durch die Syngas-Anlage der BEST, die hier inmitten mehrerer Anlagen zur Abfallverwertung steht. Diese spezielle Anlage soll Biofuels herstellen, ein Prozess, der angesichts der Klimakrise notwendiger denn je ist.

BEST steht für Bioenergy and Sustainable Technologies und ist ein COMET Zentrum, welches sich zum Ziel gesetzt hat, klimaneutrale Prozesse im Bereich der Bioenergietechnik zu entwickeln.

Inbetriebnahmeleiterin - und Vereinsmitglied - Katharina Fürsatz gibt uns eine Führung durch die mehrstöckige Pilotanlage zur Vergasung von Biomasse und Erzeugung von Biofuels per Fischer-Tropsch-Synthese. Bei Betrieb der Anlage können hier aus unterschiedlichen Rohstoffen bis zu 150L Biokraftstoff pro Tag erzeugt werden.

Anschaulich erklärt sie Themen wie Wirbelschicht, Brennstoffzufuhr und Zyklierung, mit denen der gewöhnliche Chemiker selten in Berührung kommt.

Der Großteil der Anlage wird zum Vergasen des Rohstoffes verwendet und befindet sich in einem offenen, mehrstöckigen Gebäude. Biomasse, beispielsweise in der Form von Holzpellets, wird aus Containern in den Reaktor eingeführt und mit Wasserdampf zu Kohlenmonoxid und Wasserstoff umgesetzt. Auch ein Einsatz von Reststoffen wie Plastikrejekte und Klärschlamm ist möglich.

Der Katalysator aus dem ersten Reaktor wird extern zirkuliert und durch Abbrand des abgelagerten Kohlenstoffes regeneriert.

Das produzierte Gasgemisch, kollektiv auch als Syngas bezeichnet, wird aufgereinigt und in einem separaten Fischer-Tropsch-Reaktor mit einem weiteren Katalysator zu einer Reihe an Kohlenwasserstoffen umgesetzt. Diese Produkte werden anschließend im Labor untersucht und sollen eines Tages zur Erzeugung von klimaneutralen Kraftstoffen für Bereiche dienen, in denen eine Elektrifizierung aufgrund von Batteriegewicht oder mangelnder Infrastruktur nicht realisierbar ist, wie bei Flugzeugen, Schiffen oder in entlegenen Regionen.

Aus den hier gewonnenen Daten wird der Prozess optimiert und als nächster Schritt eine weitere Pilotanlage in größerem Maßstab errichtet werden.